Reisebericht   Azoren - Sao Miguel und Lissabon 2005   Seite 3        

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Montag, 18.07.05
Heute wollen wir nach Ribeira Grande fahren. R.G. liegt an der Nordküste von Sao Miguel und ist die zweitgrößte
Stadt mit etwa 10.000 Einwohnern. Der Ribeira Grande, nach dem auch die Stadt benannt ist, fließt mitten durch
den Ort. Man sollte unbedingt einen Abstecher in das hübsche Zentrum unternehmen. Kommt man von Ponta Del-
gada, nimmt man am besten gleich den ersten Parkplatz rechts die Straße hoch (kostenlos). Von hier aus läuft man
die kleine Hauptstraße mit ihren Läden und Banken hoch bis zum Jardin Publico, einem kleinen hübsch bepflanzten
Park, um den sich alle wichtigen Gebäude reihen. Da ist das schön, mit EU- Geldern, renovierte Theater (sehr sau-
bere Toiletten!), das Rathaus mit seinem kleinen Torbogen, die Bibliothek, die Igrejado Espirito Santo und, nur
einen Häuserblock weiter, aber auch schon sichtbar, die Hauptkirche Igreda Matriz de Nossa Senhora da Estrela.
Steht man oben an der Kirche, hat man einen herrlichen Blick auf Ribeira Grande und die Küste. Kurz bevor der
Ribeira Grande ins Meer mündet, hat man das Flussufer in eine hübsche Parkanlage umgewandelt (ebenfalls sehr
saubere Toiletten!). Wer Lust hat, kann auch noch der Likör-Destillerie einen Besuch abstatten. Die hier geernte-
ten Marajas und Ananas werden zu guten Likören verarbeitet. Auf Empfehlung unseres Reiseführers essen wir im
Alabote, einem erst vor ein paar Jahren eröffnetem Restaurant in Schwimmbadnähe, unmittelbar am Meer. Das Es-
sen ist sehr gut, und man hat einen schönen Blick auf die Nordküste. Wir essen Caserole Alabote mit Fisch und Gar-
nelen. Die Vorspeise, die uns unaufgefordert hingestellt wird, lassen wir wieder mitgehen. Man versucht es wohl im-
mer wieder, gerade bei Touristen! Meist sagen wir, dass das Brot stehen bleiben kann. Das wird dann auch bezahlt.
Wir machen uns auf den Weg zum Auto und fahren weiter die Nordküste entlang Richtung Mosteiros. Es geht über
Rabo de Peixe. Die Stadt besitzt den bedeutendsten Fischereihafen, ist aber wegen der geringen Fangquoten von
sichtbarer Armut geprägt. Die Gegend am Fischerhafen erinnert an Slums. Makaber wirkt dagegen das in der Nähe
erbaute vornehme Villenviertel. Weiter geht es vorbei an riesigen Maisfeldern über Calehtas und Fenais da Luz nach
Capelas. Östlich des Ortes liegt der alte Walfängerhafen Porto dos Pocos. Unser nächster Stopp ist Santo Antonio mit
einer hübschen mit Kacheln verkleideten Mauer. Danach gelangen wir nach Santa Barbara, und es geht wieder zurück
über Mosteiros nach Ginetes. Wir machen einen kleinen Abendspaziergang durch das Dörfchen und kaufen im kleinen
Supermarkt noch etwas ein. Bei angenehmer Temperatur essen wir auf der Terrasse zu Abend. Heute geht die Sonne
hinter den Wolken unter.
Na dann, schöne Träume!
                                                    
Dienstag, 19.07.05
Es ist leicht bewölkt bei ca. 21°C. Villa Franca do Campo ist heute unser Ziel. V. Franco do C. war einst die Hauptstadt
Sao Miguels, bis ein Erdbeben im Jahr 1522 alles zerstörte. Es ist bis heute das schlimmste Erdbeben, das die Azoren
jemals erlebt haben. Über 5ooo Todesopfer hat es gegeben. Durch die totale Zerstörung wurde Ponta Delgada damals
zur Hauptstadt ernannt. Die Stadt hat heute einen netten Stadtkern mit kleinen hübschen Parks und einem alten Fischer-
hafen am Forte Tagarete. Gleich neben dem alten Hafen hat man einen großen Hafen für etwa 120 Boote gebaut. Ober-
halb des Fischerhafens liegt das Restaurant Estrala do Mar mit einer schönen Terrasse und herrlichem Meerblick!!
Die Bedienung ist sehr freundlich, und das Essen schmeckt ausgezeichnet! Dem Ort vorgelagert ist die kleine Insel
Ilheu da Vila Franca. Sie ist vulkanischen Ursprungs, und in dem halbrunden Kraterpool kann man baden, schnorcheln
und tauchen. In regelmäßigen Abständen fahren Boote hinüber. Das alles kann man ganz gemütlich bei gutem Essen
und einem kühlen Bier von der Terrasse des Estrela do Mar beobachten. Wir bestellen Schwertfisch, dazu ein Bier und
zum Nachtisch Ananas von Sao Miguel (23 €). Unten sitzen die Fischer an ihren Booten, einige Einheimische angeln
und  ein paar Touristen fahren mit dem Boot zur Insel rüber. Nach dem guten Essen fahren wir wieder zurück und biegen
kurz vor Agua de Pau nach Caloura ab. Caloura ist eine vornehme Villengegend. Feudale herrschaftliche und üppig be-
pflanzte Anwesen reihen sich wie Perlen aneinander. Eines größer und schöner als das andere. Besitzer dieser Schmuck-
stücke sind wohlhabende Azoreaner, die hier ihren zweiten Wohnsitz haben. Im Osten des Villenortes liegt der kleine
romantische Fischerhafen. Hier gibt es ein kleines Schwimmbecken, das direkt ins Meer gebaut ist. Man kann aber
auch direkt im Meer baden, welches man über eine Treppe erreicht. Ein Rettungsschwimmer schaut nach dem Rechten.
Eine kleine Bar mit einer Terrasse mit Blick auf das Meer gibt es auch. Wir trinken einen Cafe con leche und ein Mine-
ralwasser. Die Temperaturen sind heute, wie auch die letzten Tage, sehr angenehm-24°C und leichter Wind. Vor etwa
1/2 Stunde hat es etwas geregnet. Jetzt haben wir wieder strahlenden Sonnenschein. Im Moment scheint die Luftfeuch-
tigkeit nicht gar so hoch zu sein. Auch hier kann man gut schnorcheln. Von Caloura habe ich schon mal zu hause etwas
gehört, denn es gibt ein Hotel - das Caloura Resort mit herrlichem Meerblick. Wer also nicht so gerne ein Ferienhaus
mietet, der ist hier vielleicht besser aufgehoben. Man braucht aber auf alle Fälle auch einen Mietwagen. Unsere Gegend
ist mir aber angenehmer. Da ist alles viel ruhiger und gemütlicher, und es gibt kaum Touristen. Und man ist schnell oben
in der herrlichen Caldeira. Von Caloura zweigt noch eine Straße zur Baixa da Areia ab, einem schönen schwarzen Sand-
strand. So, nun geht es wieder über die Autostraße, vorbei an Ponta Delgada, zurück nach Ginetes. Es ist 18:00 Uhr und
wir genießen noch etwas die Sonne auf unserer Terrasse. Ich mache die Waschmaschine an, und dann essen wir noch
eine Kleinigkeit zu Abend und trinken ein Glas Wein. Morgen legen wir mal einen Faulenzertag ein.
Bis dann!
                                                           
Mittwoch, 20.07.05
Nach dem Frühstück, heute hat uns eine kleine schwarz-weiße Katze besucht, bringen wir erst mal den Müll runter zur
Straße. Hier wird noch alles zusammen in einen Sack geworfen, ob Plastik, Glas oder Papier, und dann Mo.-Mi. und
Freitag an die Straße gestellt. Ich werde noch etwas waschen und dann ein wenig lesen. Heute ist es recht windig und
heiter bis wolkig. Gegen 13:30 Uhr ist die Sonne voll auf unserer Terrasse. Herr K. kommt und schneidet noch etwas
von seinem wie Mais ausschauenden und auch so hoch wachsenden Unkraut ab, damit wir wieder freie Sicht auf
den Sonnenuntergang haben. Da die Pflanze so schnell wächst, wird sie auch gerne als Grundstücksbegrenzung ver-
wendet. Normalerweise macht das der Gärtner, aber der ist wohl im Moment verhindert. Ich koche uns eine leichte
Suppe und dann legen wir uns etwas hin. In der Sonne ist es mittlerweile ganz schön warm. Herr K.bringt uns eine
Nachricht von Herrn S..Wir fliegen am 3.8. schon um 7:45 Uhr anstatt um 8:45 Uhr nach Lissabon. Um 12:10 Uhr
geht es dann von Lissabon weiter nach Brüssel. Wir werden noch mal zum Flughafen fahren, und uns die neuen Flug-
zeiten bestätigen lassen. Es ist jetzt 16:00 Uhr und wir machen uns einen Kaffee. Danach wollen wir mal hoch zur Cal-
deira fahren. Wir fahren Richtung Ponta Delgada und dann kurz vor Relva die Straße hoch zur Caldeira. Wenn man
hier hinauffährt, denkt man, man ist irgendwo im Märchen oder bei den Feen und Elfen. Die Caldeira liegt überwie-
gend in den Wolken und im Nebel, gibt aber einige Blicke frei auf die weiten Weideflächen bis runter zur Küste. Die
Kühe stehen zum Teil in den Nebelschwaden und zum Teil in der Sonne auf den saftig grün schimmernden Weiden.
Überall werden riesige Hortensienhecken von der Sonne angestrahlt oder verschwinden in den Nebelschwaden. Über
dem Meer ist der Blick ganz klar, und man kann fast die gesamte Nordküste hinaufschauen. Ein beeindruckendes
Schauspiel von Wolken, Nebel und Sonne!! Es ist jetzt ca. 16:30 Uhr und alle Bauern sind auf ihren Weiden, um die
Kühe zu melken. Natürlich geht auch hier schon alles elektrisch. Die großen Milchkannen werden dann per Jeep oder
Pferdekarren! zu den Sammelstellen gefahren. Von dort aus kommen sie in die Molkereien. Auf halbem Weg zur Cal-
deira führt eine kleine unscheinbare Straße hinunter zu den vielen Weiden. Nach einiger Fahrt vorbei an vielen Bauern
mit ihren Kühen stoßen wir auf eine Querstraße, die einmal nach Santa Barbara führt und in die andere Richtung nach
Ponta Delgada verläuft. Wir nehmen die Richtung nach Santa Barbara. Vielleicht hat ja das Restaurant offen, das wir
uns beim letzten Stopp angeschaut haben, und das leider geschlossen war. Wir haben Glück. Scheinbar sind wir auch
die einzigen Gäste. Das Restaurant wird wegen seiner guten Küche empfohlen, und tagsüber sollen hier die Reise-
gruppen einkehren. Ich komme endlich in den Genuss, Bacalhau zu essen. Das ist gesalzener und in der Sonne ge-
trockneter Kabeljau, auch Stockfisch genannt. Auch in Norwegen wird er so behandelt und kommt als Delikatesse
auf den Tisch! Um den Stock- oder Klippfisch zuzubereiten, sollte er vorher mindestens 24 Std. in Wasser eingeweicht
werden. Das Wasser sollte dabei mehrmals gewechselt werden, da der Fisch sonst zu salzig schmeckt. Dieser Bacalhau
schmeckt ausgezeichnet!! Er ist mit Teig überbacken. Dazu gibt es die überall wohlschmeckenden Kartoffeln, Paprika,
Knoblauch und gemischten Salat. Norbert isst auch einen Einheimischen- Fisch als Filet gebacken. Als Nachtisch pro-
biere ich Pudin Maracuja. Alles ausgezeichnet und sehr schmackhaft! Dazu natürlich einen Azorenwein von der Insel
Pico. Alles zusammen mit Kaffee und Selters 24,95 €. Zufrieden machen wir uns auf den Rückweg über die Straße
vorbei an den Weiden. Die Kühe sind inzwischen alle gemolken und werden zum Teil auf eine andere Weidefläche ge-
trieben. Oben am Kraterrand liegt jetzt alles total in den Wolken, und so fahren wir über Sete Cidades und Varzea
wieder zurück zu unserem Haus. Bei einem Glas Wein schauen wir dem Sonnenuntergang zu. Ich werde noch ein paar
Seiten von meinem Buch lesen und die Nachrichten der Deutschen Welle hören.
Gute Nacht!

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